Absturzsicherung: Gesetzliche Vorschriften im Überblick

Personen, die in relevanter Höhe tätig sind, müssen im Rahmen der Arbeitsschutzmaßnahmen bei allen anfallenden Arbeiten gesichert werden. Der Gesetzgeber hat hierzu einige gesetzliche Vorschriften für Absturzsicherung erlassen. Die Art der zu vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen kann, je nach Einsatzbereich, sehr unterschiedlich ausfallen. Typische Schutzvorrichtungen sind beispielsweise Ausrüstungen, die aus Gurt und Seil bestehen, weiterhin Systeme zur Seilsicherung oder auch Anschlageinrichtungen (AE), die mindestens einen sichernden Anschlagpunkt bieten. Hierbei werden etwa nach der Norm DIN EN 795 fünf unterschiedliche Varianten von Anschlageinrichtungen voneinander unterschieden.

Gesetzliche Vorschriften für Absturzsicherung

In welchen Gesetzen ist die Absturzsicherung geregelt?

Es existiert nicht eine Vielzahl gesetzlicher Regelungen zu Absturzsicherungen, die in ihrer Gesamtheit komplexe Vorschriften darstellen. Darunter sind unterschiedliche Regelungs-Bereiche, in denen die einzelnen Richtlinien festgehalten sind. Dementsprechend definiert nicht die eine einzelne Vorschrift, sondern eine Kombination unterschiedlicher Bestimmungen, die einzelnen Schutzmaßnahmen zur Absturzsicherung.

  1. Der Arbeitsschutz: Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
    Im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) sind sämtliche Rechte wie auch Pflichten auf der Seite des Arbeitgebers und der Mitarbeiter geregelt, die dem Arbeitsschutz dienen. Oberste Priorität hat hierbei das Sicherstellen der Gesundheit und Sicherheit der Angestellten.
  2. Die Betriebssicherheit: Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
    Um den Arbeitsschutz zu gewährleisten, dient die Betriebssicherheit als Grundvoraussetzung. In der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) sind die unterschiedlichen Gefährdungsvarianten von Arbeitnehmern benannt. Spezifische Arbeitsstättenrichtlinien (ASR) wie auch verschiedene technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) dienen hierbei der Konkretisierung dieser Verordnung. Sie basieren auf den aktuellen technischen Standards und arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen.
  1. Die Unfallverhütung: Deutsche gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
    Für Bauarbeiten sieht die deutsche gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) verschiedene Regelungen vor, die der Absicherung von Baustellen dienen. Hierzu zählen auch mehrere DIN-Normen, beziehungsweise DIN EN-Normen (europäische Normen), die etabliert wurden, um den Bereich der Absturzsicherung abzubilden. Die Vorschriften sind hier sehr umfangreich und basieren stets auf den genauen Gegebenheiten, die an einer Baustelle bestehen. Entscheidend für jede Maßnahme ist demnach immer die individuelle Gefährdungsbeurteilung, die an Ort und Stelle gegeben ist.

Überblick zu den Vorschriften und Normen zu Absturzsicherung

  • DGUV Vorschrift 1: Allgemeine Vorschriften
  • BGV D32/DGUV Vorschrift 75: Arbeiten an Masten, Freileitungen und Oberleitungsanlagen
  • DGUV-R 112-198: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz
  • EN 341 – Abseilgeräte
  • EN 353-2 – mitlaufende Auffanggeräte an beweglicher Führung
  • EN 354 – Verbindungsmittel
  • EN 355 – Falldämpfer
  • EN 358 – persönliche Schutzausrüstung für Haltefunktion und zur Verhinderung von Abstürzen
  • EN 360 – Höhensicherungsgeräte
  • EN 361 – Auffanggurte (seitliche Halteösen EN 358, Arbeiten in Hängepositionen EN813)
  • EN 362 – Verbindungselemente (z.B. Karabinerhaken, Bergsteigerhaken)
  • EN 363 – Auffangsysteme
  • EN 365 – Allgemeine Anforderungen an Gebrauchsanleitungen, Wartung, regelmäßige Überprüfung, Instandsetzung,
    Kennzeichnung und Verpackung
  • EN 795 – Anschlageinrichtungen (Mobile und permanente Anschlagpunkte)

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Die wichtigsten EN-Normen zu Absturzsicherung

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Vorschriften zu kollektivem und individuellem Gefahrenschutz

Der Kollektivschutz umfasst alle Möglichkeiten der Absturzsicherungen, die für eine allgemeine Absicherung von Personen sorgt. Hierbei sind zumeist keine zusätzlichen Schutzausrüstungen für einzelne Arbeiter erforderlich, sondern der Schutz bezieht sich im Sinne einer primären Sicherung auf alle Personen, die den zugehörigen Bereich betreten.
Im Gegensatz dazu sieht der Individualschutz konkrete Maßnahmen für einzelne Mitarbeiter vor, etwa in Form einer sogenannten persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA). Hier regeln zahlreiche DIN EN-Normen die Sicherheitsvorgaben, darunter DIN EN 397 zum Thema Helme, DIN EN 358 den Bereich Haltesysteme und DIN EN 355 den Absturz durch Falldämpfer.

Die Absturzsicherungs-Vorschriften legen fest, dass ein kollektiver Gefahrenschutz grundsätzlich sinnvoller und vorteilhafter ist als ein individueller Gefahrenschutz. Dies ist in den Regeln zur Betriebssicherheit definiert und bedeutet, dass im Sinne einer Rangfolge von Schutzmaßnahmen die kollektiven Schutzmaßnahmen anzuwenden sind, wann immer möglich. Dies gilt umso mehr, weil individuelle Maßnahmen zeitintensive Schulungen für jeden Mitarbeiter erforderlich machen, auf den sie angewendet werden. Die Priorität des Kollektivschutzes gegenüber dem Individualschutz findet sich nicht nur in den verbindlichen DIN-Normen zur Arbeitssicherheit, sondern auch in den Vorgaben der Berufsgenossenschaften (BGI).

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Vorschriften zur Kontrolle von Absturzsicherungen

Auf einer Baustelle reicht es nicht aus, die gesetzlichen Vorgaben zu den jeweiligen Sicherheitsmaßnahmen einmalig umzusetzen. Die jeweiligen Absturzsicherungen unterliegen konkreten Prüfpflichten, die mindestens einmal pro Jahr umgesetzt werden müssen. Dies setzt zunächst voraus, dass sämtliche Produkte, die zur Absturzsicherung eingesetzt werden, die jeweiligen gesetzlichen Normen erfüllen.

Alle Absturzsicherungen benötigen außerdem folgende Angaben:

  • eine Prüfstellennummer
  • Angaben über das Jahr der Produktion
  • eine gültige Seriennummer
  • Kontrollen durch eine sachkundige Person

Die Kontrollen dürfen ausschließlich von sachverständigen Personen vorgenommen werden. Das können bei Bedarf auch externe Dienstleister sein. Auch die Montage von Absturzsicherungen darf nur von Fachpersonal vorgenommen werden. Weiterhin besteht eine Pflicht zur Dokumentation inklusive Festhalten der Sicherungsvorrichtungen auf Fotos. Ohne diese Dokumentation besteht im Falle eines Unfalls kein gültiger Beleg, beispielsweise für die Versicherung.

Auszug aus der DGUV-R 112-198 zu Prüfungen von PSA für Absturzsicherung
Die Versicherten (Arbeitnehmer) haben PSA gegen Absturz vor jeder Benutzung durch Sichtprüfung auf ihren ordnungsgemäßen Zustand, auf einwandfreies Funktionieren zu prüfen. Der Unternehmer hat persönliche Schutzausrüstung zum Halten und Retten entsprechend den Einsatzbedingungen und den betrieblichen Verhältnissen nach Bedarf, mindestens jedoch einmal innerhalb von 12 Monaten, auf ihren einwandfreien Zustand prüfen zu lassen. Hier müssen die Produkte in der Regel im Prüfungszeitraum zum Hersteller oder aber einer autorisierten Prüfstelle (Sachkundiger nach DGUV 312-906) eingesandt werden.

Regelungen für Gebrauchsanleitungen und Kennzeichnung von Absturzsicherungen

Bei Gebrauchsanleitungen und der Kennzeichnung von Absturzsicherungen sind folgende Anforderungen zu berücksichtigen:

  • Typbezeichnung
  • Hinweis auf die zutreffende Norm
  • Name, Zeichen oder andere Kennzeichen des Herstellers
  • Die letzten beiden Stellen des Herstellungsjahres
  • Die vom Hersteller ausgegebene Serien- oder Herstellernummer des Bestandteils
  • Piktogramm, welches anzeigt, dass der Benutzer die Hinweise des Herstellers lesen muss
  • CE-Kennzeichnung

Quelle: Auszug aus der EN 365

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Vorschriften zu Instandhaltung, Reinigung und Aufbewahrung von Absturzsicherungen

Es sind die vom Hersteller gegebenen Hinweise in der Gebrauchsanleitung zu beachten. Die PSA ist bestimmungsgemäß zu benutzen und die Beschäftigten sollen pfleglich damit umgehen. Alle Bestandteile des Systems dürfen keinen Einflüssen ausgesetzt sein, die den sicheren Zustand beeinträchtigen können. Solche Einflüsse sind z.B. Einwirkung von aggressiven Stoffen (Sauren, Laugen, Ole, Fette, Putzmittel mitunter nachträgliche Gurtbeschriftung) Einwirkung von hohen Temperaturen (im Allgemeinen ab 60°C), z.B. infolge von Schweißarbeiten sowie Einwirkung von tiefen Temperaturen (im Allgemeinen ab -10°C).

Quelle: Auszug aus der DGUV-R 112-198

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