Atemschutz Fit Testing ist ein wichtiger Baustein im Atemschutz und wird in den einschlägigen DGUV-Regelwerken als zentrale Maßnahme beschrieben. Wir führen quantitative Atemschutz-Fit-Tests in der Praxis durch – und haben unsere Ergebnisse ausgewertet. Auf dieser Seite teilen wir die wichtigsten Erkenntnisse und zeigen, welche konkreten Ableitungen Betriebe daraus ziehen können.
Datengrundlage
Messdaten: TSI-Export aus bestandenen, zertifizierten quantitativen Fit Tests (PASS); n=75. Nicht bestandene oder abgebrochene Versuche werden im Gerät nicht als Zertifikat ausgewiesen. Zeitraum aller Daten: 05/2023–11/2025 . Praxis-Richtwerte basieren auf Erfahrungswerten der Prüfer und sind keine vollständige statistische Erhebung.
Infografik zur Fit Test-Auswertung
Hier können Sie die komplette Infografik als PDF herunterladen – wenn Sie die Grafik in einer Publikation übernehmen möchten, freuen wir uns über eine Quellenangabe und eine Verlinkung auf diese Seite.
Ein zentrales Ergebnis der Auswertung: 25 Prozent der getesteten Personen bestehen den Fit Test nicht.
Zusätzlich ist ein weiterer Praxisfaktor auffällig: 23 Mal wurde ein Versuch abgebrochen, weil die Maske nicht korrekt angelegt war und der erforderliche Fit-Faktor im Test dadurch unerreichbar war. Nach gezieltem Coaching im Anlegen haben die Personen den Test bestanden.
Die Auswertung macht deutlich: „Nicht bestanden“ ist selten ein Einzelfall – oft steckt ein wiederkehrendes Muster dahinter. Entscheidend ist, den richtigen Hebel zu wählen: Ist es ein Thema der Rahmenbedingungen (Bart), der Modellauswahl (Passform) oder der Anwendung im Alltag (Anlegen)? Fit Testing hilft dabei, genau das zu unterscheiden – und gezielt die passende Maßnahme abzuleiten.
Nichtbestehen im Fit Test – häufige Ursachen
Bart im Dichtbereich
Bei dicht anliegenden Masken ist Dichtsitz bei Bartträgern nicht möglich. Für Bartträger braucht es alternative Schutzkonzepte, zum Beispiel Gebläseatemschutz.
Ausführlichere Informationen zu Atemschutz für Bart- und Brillenträger finden Sie hier.
Falsche Passform
Nicht jedes Modell passt zu jedem Gesicht. Konsequenz ist nicht „mehr vom Gleichen“, sondern die gezielte Suche nach passenden Alternativen und eine strukturierte Auswahl.
Nicht korrektes Anlegen
Wenn Tests am Anlegen scheitern, ist das ein Hinweis auf Unterweisung und Routine im Alltag. Gerade in eingespielten Teams lohnt es sich, Abläufe regelmäßig zu überprüfen und alte Gewohnheiten zu hinterfragen.
Ein zweiter, oft unterschätzter Punkt: Auch bestandene Tests können relevante Hinweise liefern, wo der aktuell eingesetzte Atemschutz im Alltag hinterfragt werden muss.
Der quantitative Fit Test bildet typische Belastungen aus dem Arbeitsalltag über mehrere Übungen ab. Bei unserem Testprotokoll besteht der Test aus sieben Übungen, z.B. lautes Sprechen, den Kopf neigen, normales und tiefes Atmen. Einzelne Übungen können unter dem Grenzwert liegen, auch wenn der Test insgesamt bestanden wird.
Bei mehr als der Hälfte der Tests liegt der niedrigste Teilwert bei der Übung „Lautes Sprechen“. Dort wird der Grenzwert am ehesten unterschritten. Gleichzeitig wurden 32 Prozent der Tests insgesamt bestanden, obwohl eine Einzelübung unter dem Grenzwert liegt.
Beim Sprechen verändert sich nicht nur die Mimik – auch die Kontaktflächen im Dichtbereich arbeiten mit. Genau deshalb ist diese Übung im Fit Test so aufschlussreich: Sie zeigt, wie stabil der Sitz der Maske bleibt, wenn im Arbeitsalltag gesprochen wird. Für viele Tätigkeiten ist das realistisch – Stichwort Kommunikation im Team, Abstimmungen im Lärm oder kurze Zurufe.
Teilwerte im Blick – „laut sprechen“ ist in der Auswertung besonders häufig der kritischste Testteil.
Ein bestandener Fit Test sagt nicht automatisch, dass die Maske in jeder Situation gleich stabil sitzt. Genau dafür lohnt sich der Blick auf die Teilwerte.
Wenn „Laut sprechen“ oder andere Übungen regelmäßig den niedrigsten Teilwert liefern, ist das ein wertvoller Hinweis: Wie wird im Alltag gearbeitet, gesprochen, bewegt, gedreht, gebückt, geatmet? Diese Realität sollte in Auswahl, Unterweisung und Tragepraxis berücksichtigt werden.
Welf Behrens | Zertifizierter Sachverständiger nach DGUV 312-190:
„Die Auswertung zeigt sehr klar: Fit Testing ist mehr als ‚bestanden oder nicht‘. Wir sehen wiederkehrende Muster – Bart im Dichtbereich, Passform und Anlegepraxis. Und auch bei bestandenen Tests lohnt sich der Blick auf Teilwerte, weil dort die Einsatzrealität sichtbar wird. Fit Testing schafft genau die Klarheit, die Betriebe für saubere Entscheidungen brauchen.“
Ein drittes Ergebnis verdeutlicht, warum „die eine Standardmaske“ selten funktioniert: Je nach getesteter Maske kann es bei derselben Person durch unterschiedliche Passform bis zu einem 9-fachen Unterschied im Fit-Faktor geben.
Diese Ergebnisse konnten wir gewinnen, wenn Prüfpersonen im Betrieb für unterschiedliche Tätigkeiten unterschiedliche Masken tragen müssen. In diesen Fällen wird ein Fit Test pro Maske durchgeführt.
Passform zählt – je nach Maske zeigt die Auswertung deutliche Unterschiede im Fit-Faktor.
Wenn bei derselben Person je nach Maske bis zu 9x Unterschied im Fit-Faktor möglich ist, reicht „ein Modell für alle“ in der Praxis oft nicht aus. Sinnvoll ist ein definierter Auswahlprozess mit wenigen, passenden Alternativen (z. B. 2–3 freigegebene Modelle), die im Fit Test geprüft werden.
Diese Auswertung zeigt drei Dinge sehr deutlich:
Kurz gesagt: Fit Testing ist nicht nur ein Nachweis. Es ist eine praktische Entscheidungshilfe, um Atemschutz im Betrieb wirklich passend auszuwählen und die Nutzung im Alltag wirksam zu machen.
Infografik herunterladen
Als zertifizierter Sachverständiger nach DGUV 312-190 (Ausbildung, Fortbildung und Unterweisung im Atemschutz) und Fachberater für PSA ist Welf Behrens unser Spezialist für jede Problemstellung. Haben Sie zum Beispiel Fragen, wie:
Drei schnelle Hebel: (1) Bartträger brauchen ein passendes Schutzkonzept (z. B. Gebläseatemschutz statt dicht anliegender Maske). (2) Bei Passformproblemen nicht „mehr vom Gleichen“, sondern gezielt Alternativen testen und freigeben. (3) Unterweisung und Routine beim Anlegen regelmäßig prüfen – gerade bei eingespielten Teams.
Ein PASS ist ein wichtiges Ergebnis, aber die Praxis ist dynamisch: Sprechen und Bewegung können den Dichtsitz beeinflussen. Deshalb lohnt sich neben dem Gesamtergebnis der Blick auf Teilwerte und auf die Frage, ob die Nutzung im Arbeitsalltag (Kommunikation, Bewegung, Routine) wirklich zur getesteten Situation passt.
Neben Passformthemen ist „Anlegen“ ein großer Praxishebel. Wenn das Anlegen nicht sauber sitzt, können Messergebnisse nicht erreicht werden. Der beste Hebel ist eine konsequente Unterweisung mit kurzer Auffrischung und das Hinterfragen von Routinen („so haben wir das immer gemacht“).
Bei dicht anliegenden Masken ist Bart im Dichtbereich ein Ausschlusskriterium für einen stabilen Dichtsitz. Wenn Rasur nicht möglich oder nicht gewollt ist, braucht es ein alternatives Atemschutzkonzept (z. B. Gebläseatemschutz) – abhängig von Einsatz, Gefährdungsbeurteilung und betrieblichen Vorgaben.
Der quantitative Fit Test umfasst mehrere Übungen, die typische Belastungen abbilden. Der Gesamtwert kann bestanden sein, obwohl einzelne Übungen auffällige Werte zeigen. Diese Teilwerte sind hilfreich, weil sie Hinweise geben, in welchen Situationen der Dichtsitz empfindlich reagiert (z. B. beim Sprechen).
Ja, genau dafür ist sie gedacht. Für externe Nutzung (Publikationen, Websites, Präsentationen außerhalb des Unternehmens) ist eine Quellenangabe und die Verlinkung auf die Auswertungsseite sinnvoll, damit der Kontext (Datengrundlage, Zeitraum, Einordnung) erhalten bleibt.
Ja, sofern die Quelle genannt wird und idealerweise auf die Auswertungsseite verlinkt wird. So bleibt die Datengrundlage transparent. Wenn Sie eine druckfähige Version benötigen, können Sie die PDF-Datei herunterladen.
Wir übernehmen die Planung und Durchführung von Atemschutzmasken Fit Tests.
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